Pflegetagebuch: kostenlose Vorlage und Anleitung
Kurz gesagt: Ein Pflegetagebuch hält über ein bis zwei Wochen fest, wobei eine pflegebedürftige Person Hilfe braucht und welche Art von Hilfe. Entscheidend ist seit 2017 nicht mehr die Zeit in Minuten, sondern was die Person selbst kann und wie oft sie Unterstützung braucht. Unsere kostenlose Vorlage ist genau danach aufgebaut und orientiert sich an den sechs Modulen der Begutachtung.
Kostenlos herunterladen
- Pflegetagebuch (Vorlage, ausfüllbar) (Word, 9 Seiten, Querformat)
- Pflegetagebuch (Vorlage zum Ausdrucken) (PDF, 9 Seiten, Querformat)
Wann Sie ein Pflegetagebuch brauchen
- Vor der ersten Begutachtung, damit Sie beim Termin nichts vergessen.
- Für einen Widerspruch, wenn das Gutachten den Alltag nicht richtig wiedergibt.
- Für eine Höherstufung, um zu zeigen, dass sich die Situation verschlechtert hat.
Das Wichtigste: Selbstständigkeit statt Minuten
Viele Pflegetagebücher im Internet stammen noch aus der Zeit der Pflegestufen und fragen nach Minuten. Seit 2017 bewertet der Medizinische Dienst aber etwas anderes: Was kann die Person selbst, und welche Art von Hilfe braucht sie wie oft?
Unsere Vorlage unterscheidet deshalb vier Arten von Hilfe:
| Kürzel | Art der Hilfe | Beispiel |
|---|---|---|
| A | Anleiten, Erinnern | „Du musst noch die Zähne putzen“, Handlungsschritte vorsagen |
| B | Beaufsichtigen, Dabeibleiben | Beim Duschen daneben stehen, weil Sturzgefahr besteht |
| T | Teilweise übernehmen | Oberkörper wäscht die Person selbst, Rücken und Beine nicht |
| V | Vollständig übernehmen | Die Person kann sich nicht beteiligen |
Auch A und B sind Hilfe. Gerade diese „unsichtbare“ Unterstützung wird im Gutachten oft übersehen.
So führen Sie das Tagebuch
- Mindestens 7, besser 14 Tage am Stück dokumentieren, möglichst zeitnah und nicht aus dem Gedächtnis.
- Jede Hilfe eintragen: Was stand an, was konnte die Person selbst, welche Art von Hilfe war nötig und warum.
- Die Nacht nicht vergessen: Toilettengänge, Umlagern, Unruhe oder Ängste.
- Verfassung des Tages ankreuzen (guter, normaler oder schlechter Tag). So wird sichtbar, wie stark der Zustand schwankt.
- Wochenübersicht ausfüllen: Verhalten wie Unruhe oder Abwehr (Modul 3) und medizinische Maßnahmen, Arzt- und Therapiebesuche (Modul 5) mit ihrer Häufigkeit.
So sieht ein guter Eintrag aus:
| Uhrzeit | Tätigkeit | Selbst möglich | Hilfe | Warum? |
|---|---|---|---|---|
| 07:15 | Waschen am Waschbecken | Gesicht selbst, Rücken und Beine nicht | T | Kann sich nicht vorbeugen, vergisst Handlungsschritte |
Ein schwacher Eintrag wäre dagegen: „Morgens beim Waschen geholfen.“ Daraus kann der Gutachter nicht ablesen, wie selbstständig die Person ist.
Die sechs Module im Blick
Das Tagebuch ist so aufgebaut, dass Sie alle Bereiche der Begutachtung abdecken. Achten Sie besonders auf die Selbstversorgung (Modul 4), denn sie zählt mit 40 Prozent am stärksten. Was die Module im Einzelnen bedeuten und wie daraus Punkte werden, erklären wir unter Pflegegutachten verstehen.
Pflegetagebuch für Kinder
Bei Kindern vergleicht der Gutachter mit gleichaltrigen, gesund entwickelten Kindern. Notieren Sie deshalb gezielt, was über den normalen Hilfebedarf in diesem Alter hinausgeht. Zum Beispiel: Ein Sechsjähriges, das noch komplett beim Anziehen unterstützt werden muss, oder häufige Therapie- und Arzttermine. Auch Berichte aus Kita, Schule oder Frühförderung sind wertvolle Ergänzungen.
Tipps aus der Praxis
- Ehrlich bleiben, auch bei schlechten Tagen. Das ist keine Übertreibung, sondern die Grundlage einer richtigen Einstufung.
- Mehrere Personen einbeziehen: Wer hilft sonst noch, zum Beispiel Partner, Geschwister, Nachbarn oder ein Pflegedienst?
- Belege sammeln: Medikamentenplan, Arzt- und Therapieberichte gehören zum Tagebuch dazu.
- Kopie machen, bevor Sie etwas an die Pflegekasse schicken.
Wie Sie das Tagebuch für einen Widerspruch einsetzen, lesen Sie unter Widerspruch begründen.
Häufige Fragen
Ist ein Pflegetagebuch Pflicht?
Nein. Es ist aber eines der besten Hilfsmittel, um den tatsächlichen Hilfebedarf nachvollziehbar zu machen, vor allem wenn die pflegebedürftige Person beim Termin einen guten Tag hat oder Probleme herunterspielt.
Wie lange sollte ich das Pflegetagebuch führen?
Mindestens eine Woche, besser zwei. So werden auch Schwankungen, schlechte Tage und seltenere Ereignisse sichtbar, zum Beispiel Arzttermine oder nächtliche Unruhe.
Muss ich Minuten aufschreiben?
Nein. Seit 2017 zählt nicht mehr die Pflegezeit, sondern wie selbstständig ein Mensch ist und wie häufig er Hilfe braucht. Zeitangaben schaden nicht, wichtiger sind aber die Art der Hilfe und die Häufigkeit.
Wem gebe ich das Pflegetagebuch?
Halten Sie es bei der Begutachtung bereit und zeigen Sie es dem Gutachter. Bei einem Widerspruch oder Höherstufungsantrag legen Sie eine Kopie bei. Das Original behalten Sie.
Quellen
Rechtsgrundlagen: § 14 SGB XI, § 15 SGB XI
- § 15 SGB XI: Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit, Begutachtungsinstrument
- Medizinischer Dienst Bund: Richtlinien zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit (Begutachtungsrichtlinien)
Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
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