Pflegegrad erhöhen: Höherstufung beantragen

Stand: September 2026Zuletzt geprüft: 24.09.2026Quellen

Hinweis: Für 2027 ist eine Pflegereform geplant, die dieses Thema betreffen kann. Wir aktualisieren die Seite, sobald sie beschlossen ist. Zum aktuellen Stand der Reform

Kurz gesagt: Hat sich der Hilfebedarf seit der letzten Begutachtung verschlechtert, können Sie jederzeit eine Höherstufung beantragen. Ein formloser, unterschriebener Antrag bei der Pflegekasse genügt. Danach wird der Pflegegrad komplett neu begutachtet. Bereiten Sie die Begutachtung mit einem Pflegetagebuch und aktuellen Berichten vor. Nach dem Entwurf zur Pflegereform sollen Anträge bis zum 31. Dezember 2026 noch nach den bisherigen Punktgrenzen bewertet werden.

Wann sich eine Höherstufung lohnt

Eine Höherstufung ist der richtige Weg, wenn sich die Situation seit der letzten Begutachtung verschlechtert hat. Typische Anlässe:

War der Bescheid dagegen schon zum Zeitpunkt der Begutachtung falsch und ist er weniger als einen Monat alt, ist ein Widerspruch oft besser. Unsere Entscheidungshilfe hilft bei der Einordnung.

Wichtig: Pflegereform 2027 und der Stichtag

Nach dem Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz sollen ab dem 1. Januar 2027 strengere Punktgrenzen für die Pflegegrade 1 bis 3 gelten. Der Entwurf enthält eine Übergangsregelung: Nach Fachberichten sollen Anträge, die bis zum 31. Dezember 2026 gestellt werden, noch nach den bisherigen Grenzen bewertet werden, auch wenn die Begutachtung erst 2027 stattfindet.

Was das für Sie bedeutet:

So beantragen Sie die Höherstufung

  1. Antrag stellen: Ein formloser, unterschriebener Antrag bei der Pflegekasse genügt. Viele Kassen haben eigene Formulare, Pflicht sind sie nicht. Unsere Vorlage für den Antrag ist in wenigen Minuten ausgefüllt.
  2. Verschlechterung beschreiben: Was hat sich seit wann verändert? Je konkreter, desto besser.
  3. Belege sammeln: Führen Sie ein Pflegetagebuch über ein bis zwei Wochen und besorgen Sie aktuelle Arzt-, Klinik- und Therapieberichte.
  4. Begutachtung vorbereiten: Der Medizinische Dienst kommt erneut, meist zu Ihnen nach Hause. Legen Sie Unterlagen bereit und schildern Sie ehrlich, wie es an schlechten Tagen aussieht.
  5. Bescheid prüfen: Vergleichen Sie das neue Gutachten mit dem alten. Wie das geht, erklären wir unter Pflegegutachten verstehen.

Das Risiko: Die Begutachtung gilt dem gesamten Pflegebedarf

Bei einer Höherstufung wird nicht nur geprüft, was schlechter geworden ist. Der Gutachter bewertet alle sechs Module neu. Hat sich in einzelnen Bereichen etwas verbessert, kann das Ergebnis im Einzelfall auch niedriger ausfallen.

Beruhigend ist: Die Pflegekasse darf den Pflegegrad nur senken, wenn sich die Verhältnisse wesentlich geändert haben, etwa weil nach einer Reha Fähigkeiten zurückgekehrt sind. Ein anderer Gutachter mit einer anderen Einschätzung allein reicht dafür nicht. Wer am 1. Januar 2017 aus einer Pflegestufe in einen Pflegegrad übergeleitet wurde, hat zusätzlich besonderen Bestandsschutz: Er kann nur dann herabgestuft werden, wenn gar keine Pflegebedürftigkeit mehr vorliegt.

Der Reformentwurf sieht außerdem einen Bestandsschutz für bereits festgestellte Pflegegrade gegenüber den neuen, strengeren Grenzen vor.

Unser Rat: Stellen Sie den Antrag, wenn sich der Hilfebedarf tatsächlich und dauerhaft erhöht hat, und dokumentieren Sie das gut. Sind Sie unsicher, lassen Sie die Situation vorher von der Pflegeberatung Ihrer Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt einschätzen. Das ist kostenlos.

Wie es nach dem Antrag weitergeht

Die Pflegekasse beauftragt den Medizinischen Dienst mit einer neuen Begutachtung. Danach erhalten Sie einen neuen Bescheid mit Gutachten. Wird der höhere Pflegegrad anerkannt, gelten die höheren Leistungen in der Regel ab dem Antragsmonat. Wird der Antrag abgelehnt, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

Häufige Fragen

Wie oft kann ich eine Höherstufung beantragen?

Es gibt keine feste Sperrfrist. Sinnvoll ist ein Antrag aber nur, wenn sich der Hilfebedarf tatsächlich und dauerhaft erhöht hat. Kurzfristige Schwankungen, etwa während einer akuten Erkrankung, reichen in der Regel nicht.

Ab wann gibt es mehr Geld?

Wird der höhere Pflegegrad festgestellt, zahlt die Pflegekasse die höheren Leistungen in der Regel ab dem Monat, in dem der Antrag eingegangen ist. Deshalb lohnt es sich, den Antrag nicht aufzuschieben.

Kann der Pflegegrad bei einer Höherstufung auch sinken?

Ja, das ist möglich. Bei der neuen Begutachtung wird der gesamte Hilfebedarf neu bewertet. Die Pflegekasse darf den Pflegegrad aber nur senken, wenn sich die Verhältnisse wesentlich geändert haben, also etwa Fähigkeiten zurückgewonnen wurden. Wer 2017 aus einer Pflegestufe übergeleitet wurde, hat besonderen Bestandsschutz.

Was ist, wenn der Antrag abgelehnt wird?

Gegen die Ablehnung können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen, genauso wie gegen jeden anderen Pflegegradbescheid.

Quellen

Rechtsgrundlagen: § 33 SGB XI, § 48 SGB X, § 140 SGB XI, § 15 SGB XI

Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Geschrieben von Marko
Vater eines Sohnes mit Pflegegrad. Schreibt hier, was Familien über Pflegegrad und Leistungen wissen müssen, geprüft an Gesetz und offiziellen Quellen. Mehr über uns · So prüfen wir Inhalte